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Run aufs Paradies: Wird Paros das neue Mallorca?

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Während der Tourismus in der östlichen Ägäis im Zuge von Wirtschafts- und Flüchtlingskrise um bis zu 30 Prozent eingebrochen ist, kann sich eine kleine griechische Kykladen-Insel vor Besuchern kaum retten. Wird Paros das neue Mallorca? Ein Paradies zwischen Neuerfindung und Identitätsverlust.

von Maria Menzel

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Da ist es, das Bilderbuch-Griechenland – eine kleine Kykladen-Insel mit beschaulichen Ortschaften, die wie weiße Tupfer aus den Wein- und Olivenhainen herausstechen. Mit 450 kleineren und größeren Kirchen. Mit quaderförmigen, kalkweiß getünchten Häuschen und blauen oder grünen oder roten Türen und Fenstern. Mit schmalen Gassen und Stromkabeln, die sich darüberspannen. Eine liebevoll gepflegte Märchenkulisse, eine Realität, die weit weg zu sein scheint von den Krisen-Schlagzeilen.

Willkommen auf Paros!

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Paros’ Besiedlungsgeschichte reicht bis ins Jahr 3200 vor Christus zurück. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Friedhöfe, die man auf der Insel gefunden hat. Ausgrabungsstätten wie die von Dryos, Glyfa und Galana sind noch heute zu besichtigen.

Noch bis in die 1980er-Jahre hinein lebten die Parianer vor allem von der Fischerei, arbeiteten als Seemänner oder Bauern. Heute fahren von hier aus vor allem ägyptische und albanische Einwanderer zur See. Ihre Fischernetze säubern und ordnen sie im Hafen der 3.500 Einwohner zählenden Stadt Naoussa, der zweitgrößten und bei Touristen beliebtesten Stadt der Insel, direkt neben den weißen Restauranttischen.

Die Parianer haben mit dem aufkommenden Griechenland-Tourismus in den 80er Jahren einen neuen Wirtschaftszweig für sich entdeckt: Den Tourismus, von dem mittlerweile etwa 80 Prozent der Inselbevölkerung leben.

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Der Hafen von Naoussa – Ein Rückblick in die 60er

Auch wenn das Fischen bis heute eine wichtige Rolle spielt auf Paros: Der Hafen von Naoussa hat sich verändert. Wo die Fischer Mitte der 60er-Jahre ihre Netze trockneten, stehen heute Restaurant- und Caféhaus-Tische.

Foto: Historisches und volkskundliches Museum Naoussa

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„Sie kannten Paros nicht“

Giannis Vasiliopoulos ist 72 Jahre alt und Ur-Parianer, arbeitete als Seemann und Fischer. Heute kümmert er sich ehrenamtlich um das Historische und volkskundliche Museum in Naoussa. Vieles hat sich verändert seit den 80er-Jahren, sagt Vasiliopoulos – das Problem dabei aber liege nicht im Tourismus an sich.

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George Bafitis hat das „Hotel Kalypso“ von seinem Vater übernommen.
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Hauptschauplatz der Veränderung: der Hafen von Parikia, der Haupt- und mit 6.000 Einwohnern größten Stadt der Insel. Mit Fähren werden die Gäste aus Athen und von den umliegenden Inseln nach Paros gebracht. Früher waren es zwei Schiffe pro Woche. Heute sind es in der Hochsaison 20 – am Tag.

Anfang der 60er Jahre gab es vier Hotels auf der Insel. Heute sind es 138. Allein zwischen Juni und August 2016 wurden der Gemeinde zufolge knapp 350.000 Touristen auf Paros gezählt. Kann das spurlos an der Insel vorbeigehen?

Man spricht diese Dinge nicht gern laut aus auf Paros. Aber wenn man die Ohren spitzt, erfährt man, dass Sanitäter hin und wieder einen betrunkenen Touristen aus einer Bar im Hafen tragen müssen. Und auch die Quads, die zwischen Parikias Restaurantmeile und dem Strand patrouillieren und die Gespräche unterbrechen, wollen nicht zur Inselidylle passen. Man spricht darüber nicht gern, weil man sich nicht laut beschweren will – weil das Tourismusgeschäft in der Krise der Rettungsanker war. Ein Schatten auf den strahlend weißen Fassaden, den auch die weiße Kalkfarbe nicht übertünchen kann.

Tatsächlich aber scheint etwas in Paros gelungen zu sein: Trotz des wachsenden Ansturms ist von Hotelbettenburgen bisher keine Spur. „Die Menschen kommen ja zu uns, weil es bei uns anders ist als auf anderen Kykladen-Inseln – gemütlich und familiär und traditionell“, sagt George Bafitis, der auf Paros aufgewachsen ist und sein „Hotel Kalypso“ in Naoussa in zweiter Generation betreibt. „Und wir als Hoteliers müssen alles tun, um uns das zu bewahren.“

Bewahren heißt für Bafitis aber nicht, die Zahl der Touristen zu reduzieren. Im Gegenteil: Als Geschäftsmann ist auch er daran interessiert, mehr Besucher auf die Insel zu locken. In seiner Funktion als Präsident der Hoteliers von Paros hat er darum gerade ein wichtiges Projekt mit vorangetrieben – den Bau eines neuen Flughafens.







George Bafitis hat das „Hotel Kalypso“ von seinem Vater übernommen.
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25 Jahre lang wurde auf der Insel über den Bau eines neuen Flughafens gestritten. Die Hoteliers wollten, dass Gäste in größeren Maschinen auch aus dem Ausland direkt auf die Insel fliegen können statt über Athen oder Naxos mit der Fähre anreisen zu müssen.

Unmittelbare Anwohner und Ferienhausbesitzer wehrten sich gegen die Pläne, fürchteten um Ruhe und Idylle. Im Juli 2016 wurde der Flughafen schließlich doch eröffnet – aber es gibt ein Problem.

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„Wir hoffen, dass wir die Tourismussaison verlängern können“

Für George Bafitis ist der Flughafen schon jetzt ein Erfolg. Allein von Januar bis März 2017 stieg die Zahl der eingeflogenen Gäste der griechischen Zivilluftfahrtbehörde zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 115 Prozent. Seine Hoffnung: 15 bis 20 Prozent mehr Gäste pro Jahr. Doch der Flughafen ist noch nicht fertig.

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„Ich habe meinen Job in London aufgegeben, um zurückzukommen“

Niklas Pavlakis arbeitete in London bei einer der größten Nachrichtenagenturen weltweit. 2012 kündigte er und kehrte mitten in der Krise in die Heimat zurück – mit einer Geschäftsidee und der Hoffnung auf einen wachsenden Absatzmarkt.

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Tatsächlich gibt es viele junge Menschen, die wie Nikolas Pavlakis auf Paros aufgewachsen, zum Studium nach Athen oder ins Ausland gegangen sind, sich dort ein Leben aufgebaut haben – und schließlich doch zurückgekehrt sind. Mitten in der Krise.

Da sind die Brüder, die das Weingut von ihrem Vater übernommen haben. Da ist die junge Beraterin des Bürgermeisters, die in England studiert hat und doch aus Liebe zur Insel nach Paros zurückgekehrt ist. Eine Generation von Menschen, die durch die Krise einen anderen Bezug zur Insel hat – und ein Interesse daran, einen Teil des alten Paros’  zu bewahren.

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„Wir müssen uns die Dinge bewahren, die uns von anderen unterscheiden“

Christos Christoforos ist Tourismusminister und stellvertretender Bürgermeister von Paros. Seine Aufgabe: der Balanceakt zwischen Wachstum und Bewahrung der Tradition.

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Nach vielen Begegnungen, Gesprächen, Beteuerungen und Erlebnissen in diesem kleinen Paradies bleibt die Frage, ob sich der Wille, den Balanceakt zu meistern, auch auf die nächste Generation übertragen wird – auf die Generation die nach der des aus Überzeugung und Hoffnung zurückgekehrten Geschäftsmannes Nikolas Pavlakis kommt. Eine Generation, die auf einer anderen Paros-Insel aufwachsen wird. Aber das werden wir wohl erst erfahren, wenn der Flughafen wirklich fertig ist.

"Panta rhei". Alles fließt!
[Heraklit]

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Während andere Kykladen-Inseln mit einem bunten Nachtleben oder hochklassigen Hotels um Touristen werben, betonen die Parianer ihre traditionellen Seiten – darunter christliche Symbolstätten, lokale Tänze und die Zubereitung einer Hülsenfrucht, die man hierzulande vor allem aus dem nahen und mittleren Osten kennt.

Der traditionelle griechische Schnaps heißt auf Paros übrigens nicht Ouzo sondern Souma und wird aus Weintrauben gemacht.

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„Das traditionelle Essen von Paros sind die Revithia“

Alexia Roussou und ihr Mann betreiben in Pródromos die Taverna Tsitsanis, eine der ältesten der Insel. Serviert werden die traditionellen griechischen Gerichte – darunter auch ein parianisches, das Alexia zusammen mit den anderen Frauen des Dorfes jeden Samstag auf traditonelle Weise auch für die Familie zubereitet.

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Es dauert mehrere Stunden, bis alle Linien auf dem Boden vor dem Haus wieder weiß leuchten. Drei, manchmal vier Mal im Jahr streichen die Parianer die Streifen zwischen den Pflastersteinen in den Gassen neu an – vor Ostern, vor Beginn der Sommersaison und vor Mariä Himmelfahrt am 15. August.

Auch die Häuser werden regelmäßig neu mit der typischen weißen Kalkfarbe bestrichen – allerdings nur einmal im Jahr, um das winterregengetrübte Weiß wieder aufzufrischen.

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„Wir führen unsere Tänze jeden zweiten Sonntag auf dem Kirchhof auf“

Kleidi Cenajs Familie stammt aus Albanien. Der 19-jährige selbst kam als Kind nach Paros. Tagsüber arbeitet er in einer Hotelbar. In seiner Freizeit tanzt er – in einer traditionellen parianischen Tanzgruppe.

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Übersicht

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Kapitel 1 Bilderbuchansichten

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Die Kykladen

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Kapitel 2 Run aufs Paradies

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George bafitis mam 6113 1
Kapitel 3 Zwischen Neuerfindung und Identitätsverlust

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Mam 4944

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Mam 4712
Kapitel 4 Paros – Highlights und Traditionen

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Karte paros final

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